Apr
30
2021

Projekt „Dedicated Server“

"Der Große" von innen

Nach einigen Jahren des Überlegens und Studierens von verschiedensten Angeboten habe ich mir nun doch endlich zwei eigene, dedizierte Rack-Server angeschafft. Die vergangenen Jahre habe ich auf diverse bekannte deutsche Hoster zurückgegriffen und dort virtuelle Server gemietet, war jedoch nie zu 100% zufrieden. Das soll mit der eigenen Hardware nun ein Ende haben!

Mit den beiden Servern kommt ein völlig neuer Themenkomplex auf mich zu, weshalb ich mir viel neues Wissen aneignen muss. Damit dieses Wissen nicht nur bei mir versauert, sondern auch der Allgemeinheit nützt, möchte ich es gerne in einer Art Artikelserie mit euch teilen.

Der Kauf der Server

Ich habe das Angebot der Server über eine Telegram-Gruppe gefunden, in der eine Privatperson diese angeboten hat. Nach etwas Chatten und dem Abklären aller Bedingungen, sind wir uns dann einig geworden. Natürlich ist es relativ riskant, Hardware für relativ viel Geld ungesehen von Privat zu kaufen, daher habe ich einen guten Freund aus der Nähe als Treuhand beauftragt. Er hat die Server vor Ort durchgecheckt, den Kauf dann vor Ort abgewickelt und mir die Server per Kurier zugeschickt. Es ist tatsächlich recht kompliziert, ein Paket zu versenden, welches 42kg schwer ist – ich hätte es selbst nicht gedacht, aber allein der Versand kostete über 80€.

Über die Hardware der Server

Ich habe mir einen 2 HE und einen 3 HE Server gekauft. Im Endeffekt war es mir wichtig, viel Platz für Storage zu haben. Links („der Kleine“) hat 8x 3,5″ Hot Swap Slots, sowie intern 2x 2,5″ Slots und rechts („der Große“) hat 16x 3,5″ Hot Swap Slots, sowie intern einen 2,5″ Slot.

Die beiden dedizierten Server, wie sie in meinem Büro auf dem Schreibtisch liegen

Bei beiden Servern handelt es sich um Fabrikate des Herstellers Supermicro. Diesen habe ich jedoch nicht gezielt gewählt – generell hatte ich keine Präferenz, welcher Hersteller es am Ende werden soll. Wichtig war mir dabei einzig, in beiden Server gleiche oder ähnliche Hardware zu haben, damit ich im Zweifel einen der Server als Ersatzteilspender nutzen kann. In der folgenden Tabelle ist eine kleine Zusammenstellung der Hardware zu sehen, welche verbaut ist.

„der Kleine“„der Große“
MainboardSupermicro X10SRi-FSupermicro X10SRi-F
CPUIntel Xeon E5-1650 v4Intel Xeon E5-2620 v3
RAM8x 32GB DDR4 ECC (256GB)8x 16GB DDR4 ECC (128GB)
Netzteil (PSU)1x 560 Watt 80+ Gold2x 920 Watt 80+ Platinum
(redundant & Hot Swap)
Storage

Die Server kamen beide ohne SSDs oder Festplatten, was wiederum bedeutet, dass ich den Storage noch beschaffen muss.

Die Hot Swap Slots an der Gehäusevorderseite haben SATA Steckplätze, welche über eine Platine per SAS oder SATA zu SAS an SAS oder Hardware RAID Controller angebunden sind. Auch wenn die Mainboards jeweils 10 SATA Steckplätze haben, werden diese nicht für die Hot Swap Slots genutzt.

Kabelsalat mit Glasfasernudeln

Okay – die Glasfasernudeln waren zwar nur Clickbait, aber: Der Vorbesitzer der Server hat leider nicht sehr viel wert auf das Kabelmanagement gelegt. Er agierte nach der Devise: „Wenn der Deckel zu ist, siehts eh keiner.“ Kann man machen, sollte man aber nicht. Ich habe daher zu Beginn nahezu alle Kabel aus beiden Servern herausgeholt und die Gehäuse erst einmal mit Druckluft gereinigt. Dann habe ich im Anschluss alle Kabel neu verlegt und das Kabelmanagement einmal grundsätzlich überarbeitet. Durch die praktischen Mehrfach-Kabelbinder mit Klebepad, welche ich durch Zufall noch heurmliegen hatte, ging das sogar ziemlich einfach. Lediglich die Enge hat mir an so manchen Stellen des Gehäuses ein paar unangenehme Kratzer an den Händen beschert – aber sowas gehört nunmal dazu.

Wichtig ist jedoch vor allem bei derartigen Rackservern, dass die Kabel möglichst nicht den Airflow blockieren. Denn die CPU selbst ist beispielsweise nur passiv gekühlt und auch die SAS/RAID Controller haben eine maximale Betriebstemperatur von ca. 50-60°C. Ist dabei kein guter Airflow geleistet, kann die entstandene Abwärme nicht durch die Gehäuselüfter abegführt werden, was sehr schnell zum Hitzetod von Hardwarekomponenten führen kann. Da es sich hierbei um Hardware etwas höherer Preisklassen handelt, kann das dementsprechend sehr schnell unangenehm für den Geldbeutel werden.

Wie geht es nun weiter?

Das BIOS sowie die Firmwarestände sind aktuell auf einem relativ alten Stand. Daher werden sich die nächsten Artikel darum drehen, diese zu aktualisieren bzw. viel mehr neu zu flashen. Bleibt dran! 🙂